Bereler Kreidewerke

Stand 30.01.2010 von Eike Bock 

Originalfoto hängt  in der Söhlder Mühle Aufnahme ca. 1959

Lfd. Nr  Thema   Seite
  Von der Erdentstehung zur Kreide                                      von Eike Bock  
1  Von der Schulkreide zum Pflanzenschutzmittel                     von Ewald Bock 1
1.1 Die drei Kreidevorkommen in Deutschland                         von Ewald Bock 2
1.2   1817 heiratet der Glaser Christoph Behrens nach Söhlde    von Ewald Bock 3
1.3 Ideen des C. Behrens zur Verarbeitung von Kreide             von Ewald Bock 3
1.4 Verarbeitung um 1975                                                        von Ewald Bock 3
1.5   Einsatz von Kreide zu den verschiedenen Produkten           von Ewald Bock 3
1.6   Kreideindustrie in Söhlde                                                   von Ewald Bock 3
1.7 Kreideabbau des Malermeister Wilhelm Stark aus Hildesheim in Berel 4
1.8 Kreidewerk des Landwirts Albert Bührig aus Berel             von Ewald Bock 5
2  2 Bilder zeigen Albert Bührig mit den Arbeitern                  von Rita Becker 5
2.1 Bei Schneefall als Rodelstrecke, Lore „sausen“ lassen         von H.-J. Bettin, R. Jahnke 6
2.2 Schornstein wurde ca. 1960/61  gesprengt 6
2.3 Schon längst verschüttete Kreidekuhlen                             von Richard Uthe 7
2.4 Ergänzungen zu 1.7 von Richard Uthe  > Stark, > Thürmer Kreidewerk 7
2.5 Die Kreideklippenspringer von Berel 8
2.6 Die Familie Jestel  8
2.7 Mord vor dem Kreidewerk --   02.08.1975 Werner Keune wird erschossen.  -- 8
2.8 Die Baufirma Loges aus Söhlde 9
2.9 2 Luftbilder der Kreidewerke                               aus der Mühle in Söhlde 9
2.10  Die „Tiefe Kuhle“ und die Burg Steinbrück im „Hildesheimschen“ 9
2.11 Die Steinkuhle an der Südseite vom Ries. 9
2.12 Eine Kreidewerkgeschichte                                              von Richard Uthe 10
2.13 Von dem Schlämmteichen in die Waschküche.                 von Reinhold Jahnke 10
2.14 Der Kreidewerkschlüssel und die Reinigung des Aufseherhäuschens v. R. Jahnke  10
2.15 1995  Luftbild                                                                  von Dieter Bock      11

                                                                    
Foto von: Rita Becker geb. Vasterling Aufnahme um 1925 - 1930
Namen zu 1:Albert Vasterling sen. Fuß auf der Lore, 2. Kreidewerkbesitzer Albert Bührig 3. Ehefrau Bührig, 4. (Christian?) Vasterling Ass Nr. 39.  

Von der Schulkreide zum Pflanzenschutzmittel

aus Heimatbuch Wolfenbüttel 1980 von Ewald Bock

1.1     Da es in Deutschland nur drei Kreidevorkommen gibt, Insel Rügen, in Schleswig Holstein und der Höhenzug von Nettlingen über Berel, Söhlde und Woltwiesche.

Geologisch gehört die hier stehende Kreide zu den älteren Kreiden und muss in Steinbrüchen ausgebeutet werden( im Gegensatz zu der jüngeren Holsteiner Kreide, die erdiger Natur ist und mit Baggern abgebaut werden kann). Kreide hat sich aus den Schalenresten mariner Kleinlebewelt gebildet, in der Hauptsache aus den Kalkscheibchen und Amöben. Kreideindustrie bedeutet an sich nur die Fabrikation, die als Urprodukt gewonnen Gesteine durch Schlämmen, Mahlen und Stäuben zu Kreideerzeugnissen zu verarbeiten.

1.2     Dem Dorf Söhlde war die Entdeckung und Verwertung der Kreide vorbehalten. Im Jahre 1817 heiratete der Glaser Christoph Behrens aus Groß Lafferde in die Bocksche Land- und Gastwirtschaft in Söhlde ein, der heute dort lebende Carl Behrens ist sein Urenkel. Beim Herrichten eines seiner Ackerfelder am Söhlder Berge fand er Kalksteine, deren Oberfläche er mit dem Taschenmesser abschaben und zu Glaserkitt verarbeiten konnte. Da nun der Bocksche Hof zu gleicher Zeit einen Ausspann unterhielt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sich die Nachricht von den Kreidefunden durch die Fuhrleute bald verbreitete und dass dadurch immer mehr Aufträge nach Söhlde kamen.

1.3    Um größere Mengen in kürzerer Frist liefern zu können, musste Christoph Behrens von der Taschenmessermethode abgehen und sich etwas anderen einfallen lassen. Er baute zunächst ein durch Pferdekraft getriebenes Stampfwerk und im Jahre 1820 eine Windmühle, deren Kraft er zum Zerkleinern der Steine benutzte. Das eingebaute Stampfwerk verursachte aber einen solchen Heidenlärm, dass eine Fortsetzung dieser Methode als unmöglich betrachtet werden musste. Behrens dachte nach und entwarf immer wieder neue Pläne, bis er endlich auf den sogenannten Kollergang kam, bei dem schwere mit Eisen eingefasste Mühlsteine senkrecht stehend um eine Achse kreisten. Diese Vorrichtung übernahm nicht nur besser die hier notwendige Arbeit, sondern leitete immer mehr zu dem im Laufe der vervollkommnen Nasskollergang über.

1.4     Die Kreide wird in Steinbrüchen gebrochen, früher in schwerer Handarbeit, heute durch Sprengung, dann wurde sie nass gekollert, durch Absetzbottiche in Schlemmbecken geleitet, in denen die erdigen Bestandteile und die nicht fein genug verkollerten Kreidesteinchen herausgefiltert wurden. Bis zur Stechreife blieb die Kreide in diesem Becken, danach ließ man sie in Kuchenform auf Steinplatten in Schuppen trocknen und auf Horten hoch setzten, hier blieb sie einige Monate stehen. Erst in völlig trockenem Zustande konnte sie gemahlen werden. Diese Herstellung gehört allerdings der Vergangenheit an, heute wird das so gehandhabt: Im Steinbruch wird gesprengt, das lose Material mit Schaufelladern auf LKW´s geladen, zum Kreidewerk gefahren und in den Steinbrecher geschüttet, weiter geht es in die Hammermühle, die vorverkleinert und in die Trockentrommel fördert, durch die Perplexmühle wird die Kreide fein zerkleinert und durch einen Windsichter auf die verschiedenen Körnungen zerlegt.

1.5  Kreide dient als Anstrichmittel, als Grundstoff für Farben, als Füllstoff in der Gummiindustrie, für die Tapeten-, Papier-, Linoleum - und chemische Industrie, in der Nahrungsmittelverarbeitung wird sie als Trennmittel gebraucht. Rohkreide findet Verwendung zur Herstellung von Kitten, Dachpappe, Steinholz, Kabel Teer und Seife und auch von Desinfektions- und Pflanzenschutzmitteln.

1.6   Die Wiege der Kreidegewinnung, das Dorf Söhlde, heute der Sitz einer Einheitsgemeinde, wird überragt von großen Kreidefabrikationsanlagen; ein Strukturwandel wurde eingeleitet, alle kleineren Fabriken haben sich zusammengeschlossen, um die moderne Technik besser ausnützen zu können und rentable Arbeit zu leisten.

Aber an den anfangs erwähnten Kreidehöhenzug liegt nicht nur das Dorf Söhlde, sondern auch andere Orte wie Woltwiesche, Berel, Nordassel und Nettlingen. In Woltwiesche stehen heute noch die stillgelegten Anlagen eines großen Kreidewerkes der Fa. Hansen. In Nordassel und Nettlingen sind noch die ungenutzten Steinbrüche vorhanden, teils als Müllgruben verwertet.


Originalfoto Günther Jestel SZ-Gitter um 1965

1.7 Nur in Berel wird an einer Stelle ausgebeutet, in einem Steinbruch, den der Malermeister Wilhelm Stark aus Hildesheim am 09.April 1920 mit einer kleinen Fabrik direkt am Berel Ries angelegt hatte. Hildesheimer Domkreidewerk nannte er sein Unternehmen, in dem nur Rohkreide und Mergel hergestellt werden konnte und das am Südhang in unmittelbarer Nähe der höchsten Stelle des Höhenzuges an der Landstraße nach Groß Himstedt lag. Im Jahre 1967 ist die kleine Fabrik, die zweimal den Besitzer wechselte, abgerissen, nur der Steinbruch wird noch genutzt.

 

Gustav Thörner ( aus Osnabrück) und Bertha Thörner geb. Schröter ( aus Dresden) hatten in Osnabrück in der Spindelstrasse die Kittfabrik " Thürmer Kittfabrik" schon vor dem Krieg. "Thürmer" angelehnt und auch als Briefkopf an den Türmen der Stadtmauer von Osnabrück. Leinöl und Kreide wurden für den Kitt benötigt.

Die Familie Blume/Böttger transportierte die Kreide mit eigenen Gespannen. Frau Elisabeth Böttger geb. Blume erzählte am Dorfabend 1999 von der Frau Thörner, die mit dicken goldenen Ketten ihr auffiel.
Der von Stellmachermeister Ferdinand Hagemann mit verstärkten Achsen gebaute Ackerwagen, stand später viele Jahre in der Scheune von Böttger und wurde für die 1200 Jahr Feier gestrichen und mit einem kleinen Dach versehen vor dem Dorfe (Richtung Lesse) von April 2007 bis Dez. 2009 aufgestellt.

Als Gustav Thörner 1961 verstarb, bekam ( vielleicht schon früher) sein Sohn Wolfgang Thörner ( eine Tochter Ilse Thörner geb. 1922 gab es auch noch) die Fabrik, die später nach Hasbergen " umzog" und eher die Kunststoffrichtung einschlug. Diese Firma wurde in 1999 aus dem Handelsregister gelöscht.

30.09.2009 Der Pachtvertrag von Dieter Bock mit der Firma OSBA Bau und Grundstücksgesellschaft GmbH, Schmidt-Knobelsdorfer Str. 22 13581 Berlin Spandau endet durch den Verkauf des Grundstücks an der Wasserverband Peine. Geschäftsführer am 11.08.2008 war Rolf Thörner.
2010 soll hier ein Wasservorratsspeicher mit einem Fassungsvermögen von .... m3 aufgebaut werden. Der größte Teil des Wasserspeichers wird unterirdisch angelegt. Die Zufahrt vom Westen. Die Stromversorgung der Pumpen macht außerdem eine neue Mittelspannungstrasse erforderlich. Die Leitungsführung nach Salzgitter Thiede ist noch nicht vollständig geplant.

Die Kreidekuhle diente nach dem Werksabriss für viele Jahre noch der Kreidegewinnung. Am südlichen Ende des alten Loches wurde eine neue Fläche von Muttererde befreit und die Kreide Lastwagen aufgefahren. Danach pachtete die Firma Loges aus Söhlde die Grube um Gesteinsreste dort an der Ostseite abzuschütten. Die Genehmigung wurde erteilt um die Landesstraße zu sichern.

So um 2006 fuhr ein Bereler Jugendlicher zu schnell durch die Kurve nach Himstedt, über den Graben über die Aufschüttung vor der Steinkuhle in den Zaun, der ihn mit dem Auto wahrscheinlich auffing. Der Schaden am Zaun ist seitdem immer noch zusehen. (2010)


Originalfoto Günther Jestel SZ-Gitter um 1965


Originalfoto hängt  in der Söhlder Mühle Aufnahme ca. 1959 Bildausschnitt
Wilhelm Prönnecke sen. kletterte Ende des Krieges in diesem Turm innen hoch.

1.8   An der Nordseite der Kuppe des Höhenzuges lag auf der rechten Seite das Kreidewerk des Landwirts Albert Bührig aus Berel - heute eine verfüllte Müllgrube - in den dreißiger Jahren sehr modern aufgebaut, und obwohl der Besitzer sehr viel investiert hatte, musste es nach einigen Jahren stillgelegt und bald darauf abgerissen werden, denn Bührig verstarb 1935, nachdem sein erwachsener Sohn schon einige Jahre vorher das Zeitliche gesegnet hatte. Der nachfolgende Pächter und die damalige Besitzerin Frau Ahrens, Tochter des Albert Bührig, scheiterte an der hartnäckigen Weigerung des angrenzenden Nachbarn, der nicht gewillt war von seinem Land für Kreideausbeutung Flächen zu verkaufen. Damit war das Urteil gesprochen. Unter Führung seines zu früh verstorbenen Besitzers wäre das moderne Werk in der Lage gewesen, die seit Jahrzehnten anhaltende gewinnbringende Kreideförderung auch in Berel fortzusetzen; das Werk bestand seit dem 3. Mai 1907.                                                                   von Ewald Bock

2.0             2 Bilder von Rita Becker zeigen Albert Bührig mit den Arbeitern und Familienmitgliedern im Kreidewerke. (Diese Bilder wurden offenbar zur Inbetriebnahme des modernisierte Kreidewerks Anfang der 30 er Jahre aufgenommen).

Albert Vasterling sen. hat als Kraftfahrer nach dem 1. Weltkrieg bei Bührig  gearbeitet.
 

Quelle: Rita Becker geb. Vasterling Aufnahme um Anfang 1930
Namen zu 1:Albert Vasterling sen.,
 2. Kreidewerkbesitzer Albert Bührig mit Bierglas beim Zuprosten. 3. Ehefrau Bührig, 4. (Christian?) Vasterling Ass Nr. 39

In dieser Grube verunglückte ein Arbeiter aus Himstedt. Hermann Kempe, Christian Kempe, Heinrich Vasterling, ......  arbeiteten in diesem Kreidewerk.             Quelle: Elisabeth Böttger

Diese Grube wurde ca. 1955 stillgelegt. Der Vorarbeiter hieß Meyer und wohnte zuerst in Berel Specken Nr. 2. baute sich später in Nettlingen ein Haus. (1998 dritte Haus rechts von Berel kommend).

2.1     Als Kinder (um 1960) haben wir die Lorenstrecke bei Schneefall als Rodelstrecke benutzt. Selten lag unten genug Schnee, da fuhren wir einfach auf der Kreide weiter. Der Pächter Walter Laaß sen. verjagte uns, aber mehr passierte dann auch nicht. Hans - Joachim Bettin erinnerte an das Lore sausen lassen. (Eine unserer Kinderdummheiten) Man lies eine Lore ohne Sicherungsseil mit voller Geschwindigkeit runter laufen, die sich dann oft unten überschlug, die Arbeiter werden darüber wohl sehr geschimpft haben.

2.2     Der hohe Schornstein wurde ca. 1960/61  gesprengt. Als ca. 12 jähriger habe ich mit ca. 80 anderen aus Berel am Waldrand des Bereler Ries die Sprengung beobachtet. Einem Knall folgte eine große Staubwolke der Schornstein senkte sich vom Wald aus leicht nach rechts und zerschmetterte am Boden.  Jahrelang lagen die Trümmer herum, die verfallenen Trockenhallen wie die in roter Ziegelbauweise gehaltene Verladerampe wurde dann sporadisch immer weiter abgetragen.

Ca. 1962 erschien ein Mann bei uns zu Haus, der meinem Vater diese Grube mit den Ruinen für 4900 DM anbot. Er lehnte damals ab, mit der Begründung: Wat schall ek mit dem Loch.  Das Loch wurde von den Lastern des Klärwerks aus Salzgitter aufgefüllt. Ein hoher Zaum schützte vor auch Blicken, was wohl abgekippt wurde. Nach Jahren entsetzlichen Gestanks war die Grube verfüllt. Die Bodenqualität ist dadurch allerdings besser geworden.

2.3     Schon längst verschüttete Kreidekuhlen von Richard Uthe

Das zweite  linke Loch direkt an der Straße nach Himstedt (hinter der Hügelkuppe) gehörte nach Steinbrück. Direkt daneben stand ein Kalkofen und dahinter waren auch noch vier Löcher.

2.4    Die erste große Grube links Himstedt an der Waldecke gehörte Karl. Der beste Kunde aus dem Westen kaufte das Kreidewerk. Da ein Landwirt aus Berel sein Land nicht an die Firma ... verkaufen wollte, war die Lagerstätte in den .. 60 Jahren erschöpft. Karl Kempe sen. musste bis zur Rente noch zwei Jahre woanders arbeiten. Ein Schild mit der Aufschrift Thürmer Kreidewerk hing bis zum Abriss 1967 an der Straßenseite.

Heinrich Himstedt arbeitete 1947 - 1957 in diesem Werke, Karl Kempe sen. und sein Bruder .... Kempe,  Julius Wesa, Willi Schäfer, Heinrich Vasterling, (Stacho), Henneberg ein Verwandter von Karl war Vorarbeiter, er wohnte bei Bührig/ heute Ling.

Originalfoto Günther Jestel SZ-Gitter um 1965

Otto Elzmann war Sprengmeister. Die Dynamitstangen lagen in einem Bunker am Rand der Grube. Die weiß isolierten Stahldrähte dienten uns Kindern zum Spielen und für Ersatz der Fahrradverdrahtung.               Quelle: Reinhold Wesa

Als Holzarbeiter sprengte Otto Elzmann die Stucken im Wald, die ca. 20 Meter hoch flogen.

Familie Blume/Böttger transportierte fuhr die Kreide mit eigenen Gespannen. Frau Elisabeth Böttger erzählte am Dorfabend 1999 von der Frau Thürmer, die mit dicken goldenen Ketten, (Bullenketten)  und durch ihr überhebliches Getue auffiel.

2.5     Diese Kreidekuhle hatten fast immer im Frühjahr einen grün - bläulich schimmernden See, aber nur in wenigen Sommern  befand sich Wasser in der Grube. Nachdem die Arbeiter zu Hause waren, badeten viele Jugendliche in diesem grünen Wasser. Georg Worpus und Peter Schlecht sprangen die Bereler Kreidefelsen hinunter. Auch Reinhold Jahnke erzählte dass er oben vom Rand hinein gesprungen ist (ca. 1959-1961)

Originalfoto hängt  in der Söhlder Mühle Aufnahme ca. 1959 Bildausschnitt

2.6     Die Familie Jestel aus Schlesien wohnte hier von Oktober 1956 bis 1964. Sie hatten einen Garten mit Hecke angelegt. Die Hecke ist heute noch da, allerdings mehrere Meter hoch. Die Trinkwasserversorgung war hier sehr ungünstig. Das Regenwasser faulte in der Zisterne. Das Wasser zum Kochen musste aus dem Dorf hoch getragen werden. Der Sohn Günther überließ mir 1996 drei Fotographien zur Reproduktion und zur Veröffentlichung.

2.7    Nach der Familie Jestel zog Familie Braunkohl in das Haus ein. Am 02.08.1975 wurde Werner Keune aus Berel an einem Sommerabend mit einem Kleinkalibergewehr in die Brust erschossen. Der Schuss wurde in Berel gehört, hinter dem Krankenwagen eilte die Dorfjugend zum Schauplatz. Es war eine Eifersuchtstat, die den Falschen traf.

Am nächsten Tag stand diese Geschichte groß in der Bild Zeitung. Ca. 1977 wurden die Gebäude abgerissen.

2.8     Einige lagerten Müll hier ab. Die Baufirma Loges aus Söhlde hat die Genehmigung Bauerde an die Böschung zur Straße anzuschütten. Das Land hinter der Grube bearbeitet Dieter Bock.

2.9 Zwei Luftbilder von 1959 der  Kreidewerke in Berel hängen in der Söhlder Mühle. Auf einem weiteren Bild ist Frau Kaufmann aus Berel auf einem Erntewagen abgebildet.       Quelle: Hildegard Pape.

2.10 Die „Tiefe Kuhle“ und die Burg Steinbrück im „Hildesheimschen“

Die Burg Steinbrück ist mit Kreidesteinen aus der Bereler Tiefen Kuhle, die im Besitz des Bischofs von Hildesheim war, aufgebaut worden. Diese „Tiefe Kuhle“ ist von als ideale Geschicklichkeitsstrecke Bereler und Himstedter Kinder anzusehen. Einfahre Wege zeugen von den Aktivitäten. Im Winter als Rodelstrecke gebraucht. Hier stehen auch oft Erwachsene die den Jugendlichen, bei ihren Kunststücken, zuschauen..

2.11 Die Steinkuhle an der Südseite vom Ries.

Diese Steinkuhle diente als Baustofflager für die Bereler Einwohner. Alte Häuser in  Berel sind oft auf Kreidesteinen gegründet worden. Der Baustoff der Bereler Kirche kommt ebenfalls daher.

In der Jugendzeit meines Vater Hermann um 1910, reichte die Steinkuhle noch bis an den jetzt existieren Graben heran. In meiner Jugendzeit um 1960 wurde zweimal im Jahr pro Hof ein Anhänger voll Müll zur Steinkuhle gebracht. In den 50er bis 70 er Jahren brachten Jugendliche mit Handwagen ihren Müll hierher. Auf der Rückfahrt konnte man sich in den Handwagen setzen und mit Geschick bis ins Dorf runter sich rollen lassen. Ein Auto kam Einen auf dieser Fahrt nur selten entgegen.

Einige fuhren mit Ihren Trecker so dicht an den Rand der Kuhle, das sie runterstützten. Ewald Bock mit seinem Lanz Bulldog. Der Trecker lief unten noch. Walter Laaß sen. Henning Burgdorf ließ sich günstig zwischen die Treckerteile fallen, und kam ebenfalls unverletzt unten an. Ganze Scheunen und Wohnhäuser wurde dort abgelagert, wie Autoteile und Waschmaschinen, ...

Mit der damals neuen Siedlung In den Hormorgen kamen riesige Bodenaushubmengen in die Steinkuhle.

Die Disziplin, das Abgeschüttete in die Kuhle zu schaufeln, war nicht immer gegeben, Karl Pommerehne später Heinrich Voges hatten dann die Aufgabe aufzupassen und den Schutt über den Rand rein zu kippen, bis es aus Umweltschutzgründen verboten wurde hier Schutt abzuladen. Zahlreiche wochenlange Schwelbrände haben machen Eichenbalken wohl verzehrt. Das Wasser der Feuerwehr lief unterirdisch an diesen Schwelbränden oft vorbei. Später fuhr der Landkreis Wolfenbüttel Abraumerde auf die Müllkippe. Das Gelände erhielt die bei der Gemeindeauflösung die Feldinteressentschaft, später (in den 70 er Jahren) wurde es der Forst übertragen, die hier Kirschenbäume anpflanzte.

2.12  Eine Kreidewerkgeschichte von Richard Uthe

F. K. ein Ostpreuße, mit dem entsprechenden Dialekt, wurde angesprochen, weil er mit Anderen, den Gespannführer aus Himstedt, von den Bereler Kirschen getrennt hatte. Der Chef, ein Mann Namens Hoppe, stellte die Kreidearbeiter zur Rede und mokierte sich über den Dialekt des F.K. - Lerne erst mal richtig deutsch.- Als er zurückkam wollte F.K. ihn mit einen Stein vor der Kopp schlagen, der Hoppe ließ die Pferde antraben und F.K. kam beinahe unter die Räder.                                                             F.K. war Schweitzer bei Heinrich Löhr.

2.13 Von dem Schlämmteichen in die Waschküche.
von Reinhold Jahnke

Adolf  und Erich Eichelberger, Reinhold Jahnke und ...? fuhren auf den zugefrorenen Bührigschen Schlämmteichen ab und zu Schlittschuh. Herr Meyer war das bekannt. Er gab ihnen auch Tipps wie: 2Fuert nur da wo Schnei druppe leigt."  -Nur da  Schlittschuh laufen wo Schnee drauf lag.- Aber es passierte doch. Reinhold brach  in die Kreideschlämme ein. Die Beine eiskalt, nass und mit Kreideschlämme mehr zu Klumpen erstarrt tappelt er nach Hause in die Waschküche. Irgendwann waren die Beine sauber aber wie sah die Waschküche aus. Eine weitere Reinigung jetzt des Raumes stand an.

2.14 Der Kreidewerkschlüssel und die Reinigung des Aufseherhäuschens
von Reinhold Jahnke

Eines Tages hatte einer der Eichelberger Jungs den Schlüssel des Büros. Bald war das Büro aufgeschlossen. Nach einer intensiven Raumsichtung wurden auch die Probetüten gefunden. Irgendeiner warf die erste Tüte. Der Erfolg war grandios, alles weis. Die Wurfschlacht nahm ihren Verlauf. Als die „Munition“ verbraucht war zogen wir uns zurück. Am nächsten Morgen in der Schule wusste der Lehrer Behrens bereits Bescheid. Er zeigte gleich auf  die „Richtigen“ wir wurden dazu verdonnert den Raum nach der Schule zur Reinigen. Wir empfanden das als lästig aber gerecht. Uns wurde natürlich mehrfach versichert „Ihr kommt hier erst raus wenn alles wieder sauber ist“, und das bei dieser staubigen Kreide. Am Nachmittag war es dann geschafft. Vom Kreidewerk aus kam keine andere Strafe aber zu Hause gab es erst mal Dresche.  (die Eichelberger wohnten damals in der alten Molkerei, in der Südstraße)

 

2.15 Luftbild von 1995 
Nur Bodenverfärbungen erinnern an zwei alte Kreidewerkgruben > ein Bodendenkmal ist entstanden.

Auf dem Luftbild von 1995 von Dieter Bock kann man die unterschiedlichen dunkleren Bodenfärbungen hinter den 5 Bäumen sehen.

Ausschnitt von 1995 mit Eintragungen
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